Im Folgenden möchte ich einen kurzen Abriss meiner Geschichte geben. Ich bin in Vorarlberg geboren und habe auch dort meine Kindheit und Jugend verbracht. Um mein Studium zu absolvieren, bin ich nach Wien gezogen und hier lebe ich auch heute noch mit meinem Mann und unserem Hund. Im Dezember werde ich 64 Jahre alt und habe schon einige Jahre mit meiner Krebserkrankung hinter mich gebracht. Mit 38 Jahren bin ich erstmals an Brustkrebs erkrankt. Nach meiner Operation und der darauffolgenden Therapie hatte ich mich innerlich von meiner Krankheit verabschiedet. Bis auf die regelmäßigen Kontrolltermine war mein Leben in keiner Weise mehr davon beeinflusst. Vor 7 Jahren wurden dann Metastasen an der Pleura und in einigen Knochen diagnostiziert. Es folgte eine Hormontherapie und anschließend verschiedene Chemo- und Antikörperbehandlungen. Seit fast einem Jahr erhalte ich eine Infusionstherapie und bin unter dieser medikamentösen Behandlung weitgehend stabil..Obwohl ich in Wien wohne, lebt mein mich behandelnder Arzt in Tirol. Zu den vierteljährlichen Kontrollen reise ich mit dem Zug oder Auto nach Innsbruck um meinen Krankheitsstatus bestimmen zu lassen und mich mit meinem Arzt über die weitere Vorgehensweise auszutauschen. Über all die Jahre hat sich ein tiefes Vertrauensverhältnis zu meinem Arzt entwickelt und er gibt mir stets das Gefühl, dass ihm mein Wohlergehen wirklich am Herzen liegt. Er ist, da er sich sehr für die neuesten Entwicklungen interessiert, nicht nur fachlich äußerst kompetent, sondern ein Arzt, der sich Zeit für seine Patientinnen nimmt, zuhören kann und es versteht, ein Klima der gegenseitigen Wertschätzung zu schaffen. Die Wichtigkeit des Umganges des Arztes mit den Patienten auf den Therapieerfolg wird meines Erachtens leider oft unterschätzt. Da ich für die Infusionen natürlich nicht jedes Mal nach Innsbruck reisen wollte, hatte ich das Glück, dass sich in Wien eine Klinik bereit erklärt hat, meine Betreuung vor Ort zu übernehmen und mir auch die erforderlichen Infusionen zu verabreichen.Seit dem Auftreten der Metastasen bin ich unter engmaschiger Kontrolle. Dadurch konnte, sobald ein Medikament nicht mehr die erwünschte Wirkung hatte, sofort ein Therapiewechsel eingeleitet werden. Meine Metastasen sind immer noch relativ klein und machen mir keinerlei Beschwerden. Was nicht immer einfach ist, ist das Nebenwirkungsmanagement der Therapien. Aber auch hier bekomme ich stets Unterstützung, insbesondere seitens der MitarbeiterInnen, jener Klinik, in der ich meine Infusionen erhalte. Das Team ist sehr bemüht, den Patientinnen den Aufenthalt während der Therapie so angenehm wie möglich zu machen und mit Tipps und Medikamenten die Folgewirkungen der Infusionen erträglich zu gestalten.„Wie geht`s ihnen“, ist die Frage, die ich auch gerne hier beantworte.Gemischt wäre wohl am treffendsten. Rund 2 bis 3 Tage nach der Infusion bin ich müde und angeschlagen. Die Übelkeit bekomme ich durch geeignete Medikationen ganz gut in den Griff, gegen das Gefühl der Erschöpfung ist aber noch kein Kraut gewachsen. An diesen Tagen mache ich es mir einfach auf dem Sofa gemütlich und warte, bis die Energie zurückkehrt. Draußen scheint die Sonne, die Vögel zwitschern, aber ich habe nicht mal Lust ein Buch zu lesen. Die einzigen Aktivitäten sind dann die Gassi Runden mit unserem Hund. Irgendwann erwachen aber die Lebensgeister wieder und ich starte mit Dingen, die mir Freude machen. Ich gehe in den Garten, koche was Gutes für meinen Mann und mich, plane eine Reise, treffe meine Freundinnen oder mache ausgiebige Spaziergänge mit unserem Hund.Wenn ich eine längere Therapiepause habe, verreise ich gerne zB nach Venedig mit meiner Schwester und einer meiner Freundinnen – das machen wir schon seit Jahren immer im Mai. Letztes Jahr im Juni war ich mit meinem Mann in der Südtoskana – dort haben wir uns den Garten der Niki de Saint Phalle mit ihren Figuren angesehen, toskanische Dörfer besucht und viele Strandspaziergänge gemacht. Im Herbst besuchen wir jedes Jahr Grado oder Caorle, um die italienische Küche zu genießen und am Strand spazieren zu gehen. Tapetenwechsel kann ich jedenfalls sehr empfehlen. Muss ja nicht weit sein – auch das verlängerte Wochenende im Jänner dieses Jahr in Mariazell hat uns sehr gutgetan. Im Februar haben wir meinen Kontrolltermin in Innsbruck mit einer Woche Urlaub in Seefeld verbunden und haben sogar einen Ausflug auf die Zugspitze gemacht – natürlich nicht zu Fuß, sondern per Gondel.Ja, ich bin leider krank, aber das bedeutet für mich nicht, dass ich nur zuhause sein kann. Wenn ich halbwegs fit bin, versuche ich die Zeit zu genießen und Dinge zu unternehmen, die mir Freude bereiten. Ich habe gelernt, mit meinen Kräften zu haushalten und erledige unliebsame aber notwendige Arbeiten vormittags, die Nachmittage gehören der Erholung und erfreulichen Tätigkeiten. Meine Therapie ermöglicht mir also eine ganz gute Lebensqualität – besonders dann, wenn gerade eine Pause ist.
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